„Food, Art and Circumstance“ …Food-Photography.

„Food, Art and Circumstance“ …how to make Food-Photography.

G A L L E R Y

  • Bild 1: Kaisersschmarrn an Zitronensorbet und Früchten
  • Bild 2: Tomatenconsommè mit Garnelen-Reissäckchen und Forellenkaviar.
  • Bild 3: Blutwurst.
  • Bild 4: Schwarzer Acrylglashintergrund (Birnen in Bitterschokolade und Zitronenlikör.)
  • Bild 5: Auster an Sojasauce, Limonensaft, Olivenöl, fein gehacktem Koriander.
  • Bild 6: Riesengarnele an Vanillebutter und asiatischem Algensalat.
  • Bild 7: Dorade an Fenchelgemüse
  • Bild 8: Garnelen in Tempura frittiert, Limoncello.
  • Bild 9: Lachs an Dijon-Senf-Dillsauce und Garnelengarnierung
  • Bild 10: Dorade im Römertopf
  • Bild 11: Himbeerkuchen auf Profilbrettern
  • Bild 12: Sushi by Sooksiri
  • Bild 13: Pfirsich Stilleben
  • Bild 14: Riesengarnelen an Mango und Avocado. Salattopping.
  • Bild 15: Fish and chips, mushy peas, pickles
  • Bild 16: Aus der Bretagne, Miesmuscheln in Kartoffeln und Calvados-Sauce, Salicornes,
  • Bild 17: Jakobsmuscheln an spanischer Salse
  • Bild 18: Argentinisches Huftsteak an Maisgemüse und BBQ – Sauce
  • Bild 19: Feigen / Trauben / Stilleben
  • Bild 20: Ratatouille
  • Bild 21: Forelle aus dem Römertopf in Butter, Weißwein, Petersilkartoffeln, Zitrone
  • Bild 22: Lachs vom Himalaya-Salzstein
  • Bild 23: Tomatenconsommè, Garnelen-Reissäckchen, Forellenkaviar, frittierte Petersilie
  • Bild 24: mise-en-place
  • Bild 25: Oscar Wilde

„Food, Art and Circumstance“


Immer wieder sehen Leute meine Food-Photos auf meiner Seite, bei Smutje, Krautjunker, Französische Küche und Lebensart und Bordleben. Ganz selten bekomme ich dann auch mal Rückfragen, „Wie machst du das? Kochst du selbst? Ist das Kunstlicht oder Tageslicht? Welche Kamera verwendest du?“


Für jene, die genauer hinsehen wollen, habe ich hier mal einige Tips zusammengestellt, die sicherlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben und nicht der eigenen Kreativität im Weg stehen sollen. Die meisten sind ohnehin schon glücklich, wenn sie die Fotofunktion auf ihrem Handy finden und im Restaurant mal draufhalten können. Auch diese liebenswerten Freunde guten Essens haben meinen Respekt, weil sie fröhlich tun, wonach ihnen ist – und das ist ja Etwas, das auch riesen Spaß macht, wenn man auf Facebook zeigen kann: „Guck, das haben wir gegessen, das war ein schöner Abend“, im Lokal, an der Imbissbude oder an Bord eines eigenen Schiffes, wie auch auf dem Kreuzfahrtschiff – egal ob auf dem Fluss oder auf hoher See.
Die neueste Frage kam gestern von Christian Breitgoff aus Köln auf Smutje. Er hat mich gefragt:


„Hö` ma, wie machst du Deine Fotos, das is doch kein Tageslicht, oder?“


Riesengarnelen an Mango und Avocado


Doch. Ich fotografiere, wenn möglich, ausschließlich bei Tageslicht. Es ist immer Seitenlicht oder eine moderate Gegenlichtsituation, meist nicht in der direkten Sonneneinstrahlung, sondern leicht abgedämpft von Wolken oder durch die Wohnung abgeschattet. Das Seitenlicht modelliert meine Motive in Licht- und Schatten und macht sie plastisch. Lichteinfall auf das Set von genau vorne lässt alles platt und langweilig erscheinen, da jeder Winkel gleichmässig ausgeleuchtet wird und keinerlei Kontraste mehr da sind. Mein Fototisch steht mit der Stirnseite direkt am Fenster und so habe ich die maximale Licht-Ausbeute, die in meiner Wohnung möglich ist.

Meine Foto-Hintergründe sind teils selbst gemacht und ich wähle sie nach der von mir gewünschten Stimmung aus. Bester Hintergrund für ein kräftiges Farbenspiel auf dem Foto und Konzentration auf das reine Motiv ist eine schwarze Acrylglasplatte mit 1 qm und in Hochglanz.

Doradenfilet an Petersilkartoffel und Sauce
Hintergrund: Acrylglasplatte, Hochglanz, schwarz

Der Mittelaltertisch ist aus Weißtanne-Altholz, von einem Scheunenabriß im Bayerischen Wald und wurde nur mit einem Öl eingelassen. Wenns rustikal sein soll.

Entenbrust an Aprikosen – Schalotten -Sauce
auf weiß-blau gestrichenen Fichte-Tanne Profilholzbrettern, N+F.

Weiß-blau von mir gestrichene Profilbretter 12,5 x 96 mm im Durchmesser, auf ca. 1 qm zusammengesteckt, incl.Nut und Feder, für Fisch, Mediterranes, Küsten-Food. Ich arbeite wie mit Models, kein Stativ, bis zu max. 50 Bilder mit kleinen Positions- oder Schusswinkeländerungen, ständig im Blick: Wirkung des Seitenlichts und Schärfeverteilung, Schusswinkel am Anfang idealerweise ca. 45 Grad zum Teller, so sehen wir die Speisen beim Essen und empfinden es deshalb als besonders normal.

Ach ja Schatten auf der lichtabgewandten Seite evtl. mit einer weißen spanischen Wand aufhellen.

Licht von links, weiße Wand rechts, Aufhellung durch Reflexion auf die Rückseite des Objekts (z.B. ein Ei würde ohne die weiße Wand links sehr hell und rechts abgeschattet)

Ich verwende die „spanische Wand“, auch Reflektor genannt, selten, da alles insgesamt kontrastreicher wird und das ist selten zu störend, außer du fotografierst in einen tiefen Topf, wo die Topfwand schon alles sehr stark abschattet, was nicht im Lichteinfallswinkel liegt.
Nochn Gedicht – die Köche nennen das „mis-en-place“, alles fürs Kochen parat und es kann los gehen – vor allem dieses Bild, um noch mal die schöne Wirkung von altem Holz zu sehen, nur geölt. Dann: Die edle Wirkung bei Verwendung einer Blende 1,8 / 2,2 oder 3,2: Geringe Tiefenschärfe, kurze Belichtungszeiten – Unschärfe im Vordergrund, absolute Schärfe im gewünschten Bandbreitenbereich, sanfter weicher Übergang in den unscharfen Hintergrund, butterweiche Auflösung.

mise-en-place

Ich verwende ein Sigma Art Objektiv auf Canon EOS 500 – das geht aber mit jedem guten Objektiv und entsprechender Nähe zum Objekt. Das Sigma ist sehr lichtstark, wodurch am Abend bei Restlicht und etwas größerer Blende (z.B. 5,6 für mehr Tiefenschärfe – aber Verwackelgefahr, 1,4 bis z.B. 3,2 die Verwackelgefahr durch lange Belichtungszeit wird geringer, jedoch die Tiefenschärfe ist nur noch minimal, Objekte, die man direkt anmißt mit dem Laserpunkt erscheinen scharf – die Peripherie wird schon nach wenigen Zentimetern Abstand vom gelaserten Motiv in den Vorder- und Hintergrund unscharft. Das Art-Objektiv macht den Übergang besonders weich. (bouquet)


Tomatenconsommè, roter Kaviar, frittierte krause Petersilie auf Mittelaltertisch.

Auch eine 5/6 oder auch ganze Gegenlichtaufnahme kann reizvoll sein. Ach noch etwas. Ich „male“ bei der Komposition der Zutaten – die Kombination der Farben ist wichtig – die Farben und die persönliche Vorstellung vom Geschmack der einzelnen Zutaten wirken wie eine Bombe im Gehirn. Der fischige knallorange Kaviar, die fruchtige Tomaten-Consommè mit der sanft rötlich-braunen Färbung, Grünzeug immer nass machen oder mit Olivenöl beträufeln, die Glanzeffekte machen ein frischeres Erscheinungsbild – Petersilie wird schnell trocken, fotografier ohne Flüssigkeit und es sieht nicht einladend aus, hier ist die krause Petersilie die mehr Volumen bietet, drapiere die Zutaten nicht wie Soldaten in Reihe sondern willkürlich – es darf auch etwas neben den Teller gehen von dem Blätterzeug und noch mal:
Kein Kunstlicht macht so schöne Farben wie das Licht, das seit über zehntausend Jahren nun einmal dem Menschen sagen muss, das kannst du essen, da musst du vorsichtig sein, da beiß besser nicht oder nicht mehr rein. Die Farbtemperatur von Naturlicht, Sonnenlicht, Abendlicht, Morgendämmer hat eine große Bandbreite von Informationen für den Menschen, davon hängt es ab, ob wir die Lichtstimmung romantisch, bedrohlich, unglücklich, depressiv, stimulierend oder angsteinflössend empfinden, oder einfach nur schön. In Rom ist ein anderes Licht als in der Karibik, am Wasser sorgen Lichtbrechungen dafür, dass wir das Meer als große Abwechslung empfinden, wenn wir es nicht täglich haben. Die Trischa Fürst von Smutje stellt ihr Essen zum Beispiel einfach bei schönem Lichteinfall direkt auf den Schiffsboden aus Mahagoni, Messingbeschläge und Wasseroberfläche garantieren, dass da fast nichts mehr schief gehen kann.
Garmisch sieht im Winter anders aus als im Sommer. Das kann Kunstlicht nicht transportieren.

Auf diesem Bild mit dem roten Kaviar (oben) ist die Petersilie in heißem Öl frittiert worden und hat Aussehen und Konsistenz verändert. Das sieht man vielleicht nicht bewusst, aber man kann es erahnen dass die Petersilie nicht läppisch ist, sondern kross und fast knusprig.
Und noch etwas zum Abschluss, in der Kunst gibt es die ideale Bildaufteilung, eigenartigerweise empfinden wir eine bestimmte Teilung des Bildes als angenehm. Ich halte mich bestimmt nicht an irgendwelche pi mal Daumen Formeln oder teile das Bild im Gehirn in große und kleine Felder – aber an eines halte ich mich fast immer – ich stelle die Teller so, dass sie eine Bilddiagonale von links unten nach rechts oben bilden – das erreiche ich auch durch die Linienführung z.B. der Tischbohlen oder der Bretter im Hintergrund.


Garnelen, asiatisch, an süß-saurer Chilisauce auf Profilholzbrettern.

Die Zwischenräume beginnen grob links unten und weisen nach rechts oben. Auch ein Messer oder eine Gabel – schräg ins Bild gelegt, führt das Auge. Bei runden Objekten am Rand, wie Orangen oder ganzen Tomaten, hat man nicht den Ehrgeiz, die ganze Frucht aufs Bild zu bekommen sondern schneidet die Hälfte des Objekts oder zum Teil durch – das erhöht die Spannung noch einmal enorm.



Der Himbeerkuchen ist ein gutes Beispiel, er ist zu 2/3 rechts von der senkrechten Bildhalbierenden und die Orangen sind alle angeschnitten.)
Wie beim Kochen gilt auch für die Photografie:
„Stets frische Zutaten verwenden, gegrilltes oder gebratenes Fleisch und Fisch müssen sichtbare Röstaromen haben, Gemüse nicht zerkochen, Nudeln sollen Biss haben – sonst sehen sie aus wie zusammengepampter Brei, kleine Accessoires gefallen dem Auge, Gewürze unterschiedlicher Farbe und Größe bilden die Textur auf dem Teller.“

Von den Tricks der Food-Fotografen im Studio bin ich weit entfernt – alles wird hinterher gegessen, hochglanzlackiertes Styropor als falsche Schokolade kommt nicht aufs Bild. Das Einzige, das wirklich Einzige, das ich beim nächsten Mal tun werde:
„Sollte ich Bier fotografieren, kommt Rasierschaum drauf. So schnell kann man seine Bilder gar nicht schießen, wie die echte „Blume“ zusammenfällt.“ Auch für crushed Eis oder Eiswürfel habe ich eine getrickste Lösung, das Zeug schmilzt auch weg wie nix.


Viel Spaß, bei allem was Du tust.

Me, myself and I.
Photo: Hajo Dietz, Nürnberg Luftbild


KLICK on Photo
…weiter gehts.

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